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Großstädte in Deutschland - Görlitz

Görlitz,(Polnisch - Zgorzelec) die östlichste Stadt Deutschlands, ist nach Leipzig, Dresden, Chemnitz, Zwickau und Plauen die sechstgrößte Stadt und eines der 6 Oberzentren des Bundeslandes Sachsen, geografisch gehört sie zu Niederschlesien. Sie hat den Status einer kreisfreien Stadt und liegt im äußersten Osten des Regierungsbezirks Dresden. Die Grenzstadt zu Polen diesseits der Neiße gehört - historisch gesehen - zur Lausitz und ist heute Sitz eines evangelischen und eines katholischen Bischofs. Die Nachbarstadt jenseits der Neiße auf polnischer Seite heißt Zgorzelec; beide Städte verstehen sich als Europastadt.

Nächst größere Städte sind Cottbus, ca. 80 km nordwestlich und Dresden, ca. 87 km westlich von Görlitz. Die Einwohnerzahl der Stadt Görlitz überschritt 1949 die Grenze von 100.000, wodurch sie zur Großstadt wurde. Kurz danach sank die Einwohnerzahl jedoch wieder stark ab und liegt heute bei lediglich ca. 60.000. Die Stadt ist damit weit von der Großstadtgrenze entfernt.

Geographie

Görlitz liegt in der Oberlausitz am linken Ufer der Neiße, am Durchbruch des Flusses durch die Ausläufer des böhmisch-lausitzischen Grenzgebirges. Die ehemaligen Stadtteile am rechten Flussufer bilden seit der Grenzziehung zwischen der Sowjetischen Besatzungszone und Polen 1945 bzw. seit Festlegung der Staatsgrenze 1949 die polnische Stadt Zgorzelec. Die höchste Erhebung des Görlitzer Stadtgebiets, die so genannte "Landeskrone" liegt 420 m über N.N., die niedrigste Stelle der Stadt befindet sich an der Neiße bei 185 m über N.N. Im Winter gehen die Görlitzer Uhren astronomisch richtig, denn der 15. Meridian östlicher Länge, an dem sich die MEZ orientiert, durchquert die Stadt.

Wappen

Beschreibung: Gespalten von Gold und Rot; vorn ein doppelköpfiger schwarzer Adler, hinten auf silbernem Schildfuß stehend ein doppelschwänziger silberner Löwe mit goldener Krone, der Löwe mit der rechten Vorderpranke, der linksgewendete Kopf des Adlers mit dem Schnabel eine goldene Kaiserkrone, halb im goldenen, halb im roten Feld haltend. Die Stadtflagge ist weiß-rot mit aufgelegtem Wappen. Bedeutung: Das Wappen wurde 1433 von Kaiser Sigismund der Stadt Görlitz verliehen. Damit erhielt die Stadt eine besondere Auszeichnung, weil die Verleihung eines Wappens seinerzeit mit ungewöhnlichen Kosten verbunden war. Der Adler steht für Brandenburg, der Löwe für Böhmen. Beides waren ehemalige Landesherren der Stadt, bevor Görlitz im 17. Jahrhundert zu Sachsen und 1815 zu Preußen kam.

Geschichte

Görlitz liegt an der Hohen Straße oder Via Regia, einem alten Handels- und Jakobsweg. Görlitz wurde 1278 erstmals als Stadt erwähnt. König Johann von Luxemburg und Kaiser Karl IV. statteten die Stadt mit zahlreichen Rechten aus (Münzrecht, Straßenrecht, Brau-, Salzgerechtigkeit etc.). Görlitz gehörte dem Markgraftum Oberlausitz und darin dem Oberlausitzer Sechsstädtebund an. Ab 1520 wurde schrittweise die Reformation eingeführt. 1547 war die Stadt vom Oberlausitzer Pönfall betroffen. Die Stadt litt im Dreißigjährigen und im Siebenjährigen Krieg. 1635 kam die Stadt zu Sachsen. Im 18. Jahrhundert wurde hier die "Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften" gegründet (später die größte bürgerliche Gesellschaft ihrer Art in Deutschland); ihre erlesenen Bestände sind erhalten und nach 1945 in die dafür neu gegründete "Oberlausitzische Bibliothek der Wissenschaften" übertragen worden. 1815 kam Görlitz zur preußischen Provinz Schlesien. Hier wurde sie Sitz eines Landkreises innerhalb des Regierungsbezirks Liegnitz. Am 31. Dezember 1867 wurde die Eisenbahn nach Berlin (zum dortigen Görlitzer Bahnhof) eröffnet. 1873 wurde Görlitz eine kreisfreie Stadt, blieb aber weiterhin Sitz des Landkreises Görlitz.

Im Zuge der europäischen Neuordnung nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Görlitz geteilt (Oder-Neiße-Grenze). Der östlich der Neiße gelegene Teil der Stadt ist seitdem polnisches Staatsgebiet und heißt Zgorzelec. Die bei Deutschland verbliebene Stadt wurde dem Land Sachsen zugeordnet, das jedoch 1952 aufgelöst wurde. Danach gehörte die Stadt zum Bezirk Dresden. Nach der Wiedervereinigung beider deutschen Staaten 1990 wurde der Freistaat Sachsen wieder errichtet und Görlitz eine kreisfreie Stadt im neu gebildeten Regierungsbezirk Dresden. Im Zuge der Kreisreform 1994 ging der Landkreis Görlitz im neuen Niederschlesischen Oberlausitzkreis auf. Görlitz selbst blieb jedoch eine kreisfreie Stadt.

Religionen

Görlitz gehörte anfangs zum Bistum Meißen. Die Reformation fasste um 1525 Fuß. Seit dem letzten Drittel des 16. Jahrhunderts war Görlitz eine rein protestantische Stadt. Wie alle Lausitzer Protestanten gehörten die Görlitzer keiner Landeskirche an, sondern die Stadt verwaltete ihre Kirchenangelegenheiten selbst. Die evangelische Frömmigkeit in Görlitz wurde Ende des 17. Jahrhunderts stark vom Pietismus beeinflusst. Ab 1815 gehörte die Stadt zu Preußen und ihr Kirchenwesen wurde in die unierte evangelische Kirche Preußens eingeordnet. Die Stadt war Teil der schlesischen Provinzialkirche, deren Sitz sich seinerzeit in Breslau befand. Infolge der Grenzziehung nach dem 2. Weltkrieg ("Oder-Neiße-Grenze") verblieb nur noch ein kleiner Teil des Gebiets der schlesischen Provinzialkirche bei Deutschland und kam zur Sowjetische Besatzungszone. Die Kirchenleitung musste 1946 Breslau verlassen und siedelte nach Görlitz um. So wurde Görlitz 1947 Sitz einer Landeskirche, die zunächst den Namen "Evangelische Kirche von Schlesien" erhielt, 1968 jedoch ihren Namen in "Evangelische Kirche des Görlitzer Kirchengebiets" ändern musste und 1992 ihren zuletzt bekannten Namen Evangelische Kirche der schlesischen Oberlausitz erhielt. Zum 1. Januar 2004 ging diese Landeskirche in der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz auf. Seither ist Görlitz Sitz des (vierten) Sprengels dieser neuen Landeskirche. Innerhalb dieses Sprengels gehören die Kirchengemeinden der Stadt Görlitz zum gleichnamigen Kirchenkreis.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts zogen vermehrt wieder Katholiken in die Stadt und gründeten ab 1853 wieder eigene Pfarrgemeinden. Sie gehörten zum Erzbistum Breslau. Als dessen Gebiet nach dem Zweiten Weltkrieg infolge der Grenzziehung geteilt wurde, bildete der westlich der Neiße bei Deutschland verbliebene Teil des Bistums Breslau zunächst das "Erzbischöfliche Amt Görlitz". Hieraus entstand über die 1972 gebildete "Apostolische Administratur Görlitz" zum 8. Juli 1994 das heutige Bistum Görlitz innerhalb der neu errichteten Kirchenprovinz Berlin, dessen Kathedrale die 1898 erbaute St. Jakobuskirche wurde. Innerhalb des Bistums Görlitz gehören die Pfarrgemeinden der Stadt Görlitz zum gleichnamigen Dekanat.

Neben den beiden großen Kirchen gibt es in Görlitz auch noch Gemeinden der Baptisten, des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden, der Methodisten, der Mormonen und der Neuapostolischen Kirche.

Politik

An der Spitze der Stadt ist seit 1282 ein Bürgermeister bezeugt. Später gab es auch einen Rat. Der Bürgermeister wechselte jährlich. Nach dem Übergang an Preußen wurde die preußische Städteordnung eingeführt. Neben dem Rat gab es weiterhin einen Bürgermeister, der ab 1873 den Titel Oberbürgermeister erhielt.

Während der Zeit des Dritten Reiches wurde der Oberbürgermeister von der NSDAP eingesetzt und nach dem 2. Weltkrieg bildete die sowjetische Besatzungszone den "Rat der Stadt" bzw. die Stadtverordnetenversammlung, die ebenfalls vom Volk gewählt wurde.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurde das zunächst als Stadtverordnetenversammlung, nunmehr als Stadtrat bezeichnete Gremium wieder frei gewählt. Vorsitzender dieses Gremiums war zunächst ein besonderer Vorsitzender. Heute ist der Oberbürgermeister Vorsitzender des Stadtrats. Der Stadtrat wählte anfangs auch den Oberbürgermeister. Seit 1994 wird der Oberbürgermeister jedoch direkt vom Volk gewählt.

Gegen den amtierenden Oberbürgermeister Rolf Karbaum laufen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Untreue.

Wirtschaft

Verkehr

Durch das nördliche Stadtgebiet von Görlitz führt die Bundesautobahn A 4 Erfurt-Dresden-Görlitz, die jenseits der Neiße nur wenige Kilometer in Polen endet. Ferner führen die Bundesstraßen B 6 und B 99 durch das Stadtgebiet. Görlitz ist auch ein wichtiger Eisenbahnknoten. Die Stadt liegt an der Kreuzung der Bahnlinien Dresden-Breslau und Tschechien-Görlitz-Cottbus-Berlin.

Den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) bedienen mehrere Straßenbahn- und Buslinien der Verkehrsgesellschaft Görlitz GmbH.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Theater

  • Theater Görlitz GmbH (Oper, Operette, Musical, Ballett, Schauspiel); das Theater wurde 1851 erbaut und 1927 erweitert.

Museen

  • Städtische Kunstsammlungen zu Görlitz
  • Staatliches Museum für Naturkunde Görlitz
  • Landesmuseum Schlesien e.V.
  • Fotomuseum Görlitz
  • Spielzeugmuseum Görlitz
  • Rübezahl-Museum Görlitz

Bauwerke

Görlitz überstand den 2. Weltkrieg ohne größere Zerstörungen und besitzt eine sehr sehenswerte Altstadt mit zahlreichen historischen Bauwerken; hinzuweisen ist auf die Peterskirche, den schönen Marktplatz (Ober- und Untermarkt) und die Bauten bzw. Bauteile aus der Renaissancezeit. So befindet sich in Görlitz der Schönhof, erbaut 1526 - er ist damit das älteste deutsche Renaissancebürgerhaus. Neben der, in ihrer Gesamtheit erhaltenen Altstadt, sind die Stadtviertel aus der Gründerzeit sehenswert.

Besondere Bauwerke sind:

  • Kirchen:
    • St. Peter, Wahrzeichen der Stadt
    • Nikolaikirche
    • Lutherkirche
    • St. Jakobus-Kirche
    • Heilig-Kreuz-Kirche
    • Frauenkirche
    • Nikolaiturm
    • Dreifaltigkeitskirche

Kleine Chronik der Dreifaltigkeitskirche:

Um 1200 wird die Stadt Görlitz durch Siedler aus Franken und Thüringen gegründet. In der Ost-West-Ausdehnung reicht der Ort von der Neiße bis zur Einmündung der heutigen Brüderstraße auf dem Obermarkt.

1234 beginnen die Mönche des Franziskanerordens vor den Toren der Stadt mit dem Bau des Klosters und der Kirche. Grund und Boden stiftet das Adelsgeschlecht der Wirsynge.

21.08.1245, am Montag nach Maria Himmelfahrt (15.08), weiht Bischof Conrad von Meißen die Kirche zu Ehren der Jungfrau Maria und des Heiligen Franziskus von Assisi. Fortan soll die Feier der Kirchweihe (Kirmes) immer am Montag nach dem 18.08. stattfinden- bis in das 20.Jahrhundert hinein gleichzeitig der Beginn ders Görlitzer Kirmesmarktes.

  • Weltliche Bauwerke
    • Lange Lauben mit Hallenhäusern
    • Reichenbacher Turm
    • Heiliges Grab, Nachbildung des Heiligen Grabs in Jerusalem
    • Ochsenbastei, Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung
    • Die "Oberlausitzische Bibliothek der Wissenschaften" in der Neißstraße
    • Waid- und Renthaus
    • Synagoge
    • Theater
    • Stadthalle
    • Neißeviadukt

Weitere Sehenswürdigkeiten

  • Landeskrone

Regelmäßige Veranstaltungen

  • Juni: Jazztage
  • Juli: Historienspiel "Der verräterischen Rotte Tor"
  • Sommer: Oldtimer-Eisenbahn
  • August: Altstadtfest
  • September: Niederschlesische Kulturtage
  • Dezember: Weihnachtsmarkt

Ehrenbürger

Die Stadt Görlitz hat folgenden Personen das Ehrenbürgerrecht verliehen. Die Liste ist möglicherweise nicht vollständig. Sie folgt chronologisch dem Verleihungsjahr.

  • 1849: von Oertzen
  • 1855: Dr. Rösler, Oberlehrer
  • 1857: Steuerrat Guisehardt
  • 1857: Kreisgerichtsdirektor Koenig, Kreisgerichtsdirektor
  • 1871: Fürst Otto von Bismarck, Reichskanzler
  • 1871: Graf von Moltke, Generalfeldmarschall
  • 1901: Regierungsrat Bethe, Justizrat
  • 1905: Otto Müller, Geheimer Kommerzienrat, Stifter der Stadtbibliothek
  • 1910: Bolko Graf von Hochberg (1843-1926), Gründer der schlesischen Musikfestspiele
  • 1918: Otto von Below, Regimentskommandeur
  • 1927: Georg Snay, Oberbürgermeister
  • 1933: Paul von Hindenburg, Reichspräsident
  • 1933: Adolf Hitler, Reichskanzler (die Ehrenbürgerwürde wurde 1990 wieder aberkannt)
  • 1971: Lisbeth Rösner, Widerstandskämpferin
  • 1971: Richard Rösner, Stadtverordneter der KPD und Widerstandskämpfer
  • 1971: Kurt Prenzel, Oberbürgermeister
  • 1971: Hans Nathan, Jurist Professor & Dekan der Juristischen Fakultät der Humbold-Universität
  • 1971: Dorothea Wüsten, Kunstkeramikerin
  • 1995: Prof. Dr. Gottfried Kiesow, Präsident der Deutschen Stiftung Denkmalschutz
  • 1996: Bernhard Huhn, römisch-katholischer Bischof von Görlitz
  • vor 1999: Dr. Georg Klammt, Sanitätsrat
  • 2000: Prof. Dr. Wolfram Dunger
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